Präimplantatives genetisches Screening

30 bis 50 % der Embryonen, die nach einer IVF in die Gebärmutter verbracht werden, weisen ein anormales Erbmuster auf (anormale Chromosomen), wie wir aus neueren Studien wissen. Das liegt eventuell an den Aberrationen der Eizellen, was bedeutet, dass ein Drittel bis die Hälfte aller Embryonen, die künstlich übertragen werden, genetisch anormal ist. Die große Mehrheit dieser genetisch anormalen Embryonen nistet sich nicht in der Gebärmutter ein oder führt zu einer Missgeburt. Manche dieser Embryonen entwickeln sich jedoch zu Kindern mit Chromosomenaberrationen (wie z.B. dem Down-Syndrom). Die Chance auf genetisch anormale Eizellen steigt mit dem zunehmenden Alter der Frau. Es ist auch bekannt, dass die Chance auf eine Schwangerschaft nach einer IVF mit zunehmendem Alter aus den gleichen Gründen sinkt.

Dank der Entwicklungen in der Medizin ist es heute möglich, Embryonen, die sich nach einer In-vitro-Fertilisation entwickeln, in einem Screeningtest auf mögliche Aberrationen zu untersuchen, bevor sie in die Gebärmutter verbracht werden (präimplantatives genetisches Screening). Dazu werden von jedem Embryo ein oder zwei Zellen (im sechs- bis achtzelligen Stadium) entnommen und einer Chromosomenuntersuchung unterzogen. Nach diesem Screening verbringt der Arzt nur die Embryonen zurück, deren Chromosomen ein normales Muster aufweisen. Im Zentrum für Kinderwunschbehandlung der Universität Löwen findet momentan eine Studie über den Nutzen des präimplantativen genetischen Screenings statt. Paare, die für eine IVF oder ICSI in Frage kommen und bei denen die Frau über 35 ist, erhalten die Möglichkeit - völlig unverbindlich - an dieser Studie teilzunehmen.

Durch dieses Verfahren können zum Beispiel bei Paaren mit einer schwerwiegenden erblichen Krankheit, die nur Jungen oder Männer betrifft (X-chromosomal gebundene Aberrationen), ausschließlich weibliche Embryonen zurück verbracht werden. Außerdem können durch dieses Verfahren auch Untersuchungen auf spezifische Chromosomenaberrationen wie Translokationen an Embryonen stattfinden. Im LUFC werden im Moment neue Molekularverfahren untersucht, um diese genetische Untersuchungsmethode für Embryonen noch weiter zu verfeinern.