Untersuchungen bei Frauen
Im Anschluss an ein ausführliches Interview und eine allgemeine gynäkologische Untersuchung folgt eine orientierende gynäkologische Untersuchung, mit der ein erster Überblick über die Problematik erlangt werden soll. Diese gezielten Kontrolluntersuchungen beinhalten:
- eine Blutuntersuchung mit:
- einem Screening auf Infektionskrankheiten, u.a. Toxoplasmose, Röteln, HIV, Hepatitis B und C und Chlamydia; vor allem letztere ist eine wichtige Ursache für Fertilitätsstörungen bei Frauen, hauptsächlich wegen der Entzündungen und Verwachsungen an den inneren Geschlechtsorganen, die sich anschließen. Toxoplasmose und Röteln stellen eigentlich keine Gefahr für die Fertilität dar, sondern für die normale Entwicklung des Fötus, wenn Frauen während der Schwangerschaft daran erkranken. Bei HIV, Hepatitis B und C, die schwer wiegende Krankheiten verursachen können, besteht das Risiko, dass sie von der Mutter an das Kind weitergegeben werden
- einer Bestimmung der verschiedenen Hormone, die im weiblichen Zyklus eine Rolle spielen, und ihrer Entstehung: Östrogene, Progesteron, Androgene, Follitropin, das luteinisierende Hormon, Inhibin, Prolaktin
- einer eventuellen Bestimmung der Blutgruppe und des Rhesusfaktors. Wenn eine Frau mit Rhesusfaktor negativ von einem Mann mit Rhesusfaktor positiv schwanger ist, kann eine Abwehrreaktion in Gang gesetzt werden, die schwere Schäden hervorrufen kann, wie etwa Wachstumsrückstand, geistige Behinderung, Fehl- oder Totgeburt, wenn die Blutgruppe der Leibesfrucht Rhesusfaktor positiv hat. Glücklicherweise ist dieses Problem äußerst selten und tritt meistens erst bei einer zweiten Schwangerschaft auf; außerdem kann es ohne weiteres verhindert werden
- einer genetischen Untersuchung zur Ermittlung bestimmter Chromosomenaberrationen oder genetischer Defekte; bei einer Vorgeschichte mit einer Erbkrankheit oder angeborenen Aberrationen wird zusätzlich ein Genetiker zu Rate gezogen
- (optional) Evaluierung der Körpertemperatur, um einen Überblick über den Verlauf des Zyklus zu erlangen. Diese Messungen sind nicht dazu geeignet, die Periode mit der höchsten Fertilität zu bestimmen;
- (optional) Untersuchung des Gebärmutterhalsschleims (Kontrolle mit dem bloßen Auge und mikroskopische Untersuchung), um die Passierbarkeit für Eizellen zum Zeitpunkt des Eisprungs zu evaluieren. Die Untersuchung beinhaltet die Entnahme des Schleims, eine Kontrolle mit bloßem Auge und eine mikroskopische Untersuchung;
- Kontrolle der Eileiter (Hysterosalpingographie, Laparoskopie) mit dem bloßen Auge auf zwei große Problemgruppen:
- Verengung oder vollständige Verstopfung der Eileiter
- Verwachsungen in der Bauchhöhle, die von außen auf die Eileiter drücken und diese verschließen oder ihre normale Mobilität einschränken
Die Passierbarkeit der Eileiter kann durch eine Hysterosalpingographie oder eine Laparoskopie untersucht werden. Allerdings können eventuell vorhandene Verwachsungen nur durch eine Laparoskopie mit Sicherheit festgestellt werden. Bei der Hysterosalpingographie handelt es sich um eine radiographische Untersuchung, die erst durchgeführt werden kann, nachdem eine Flüssigkeit via Vagina und Gebärmutterhals in die Gebärmutterhöhle injiziert wurde. Das Foto liefert Aufschluss über den Zugang zu den Eileitern und ihre Passierbarkeit. Bei einer laparoskopischen Untersuchung führt der Arzt durch einen kleinen Einschnitt am Nabel ein kleines optisches Instrument, genannt Endoskop, in die Bauchhöhle ein, um die verschiedenen Organe in der Bauchhöhle visuell zu untersuchen. Gleichzeitig kann auch eine Fertilitätsbehandlung vorgenommen werden, bei der geschlossene Eileiter wieder geöffnet werden und Verwachsungen rund um die Eileiter entfernt werden. Eine laparoskopische Untersuchung findet immer unter Vollnarkose statt, grundsätzlich im Rahmen einer tageschirurgischen Behandlung in einem Krankenhaus (morgens ins Krankenhaus gehen, abends wieder nach Hause) und einer anschließenden Krankschreibung für eine Woche.
- Kontrolle der Bauchhöhle durch Laparoskopie. Hier werden Anomalien in der Bauchhöhle ermittelt und operiert, zum Beispiel Endometriose, Eierstockzysten, Verwachsungen usw.
- Kontrolle der Gebärmutter durch Hysteroskopie, Echographie oder Endometriumbiopsie.
-Das Hysteroskop besteht aus einem langen Schlauch mit elektrischer Lichtquelle und Spiegeln, der durch die Vagina und den Gebärmutterhals in die Gebärmutterhöhle geschoben wird. So erhält der Arzt einen Überblick über eventuelle Anomalien in diesem Bereich. Dabei handelt es sich meistens um Polypen, Myome oder angeborene Aberrationen. Die diagnostische Untersuchung kann ambulant und ohne Vollnarkose erfolgen; sie wird häufig mit einer Laparoskopie kombiniert, für die allerdings eine Vollnarkoes erforderlich ist.
-Kontrolle der Gebärmutterschleimhaut durch eine Echographie. Eine Echographie liefert vor allem Informationen über die Dicke der Schleimhaut, die im Einnistungszeitraum normalerweise etwa 14 Millimeter beträgt. Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Arzt herausfinden, ob sich die Gebärmutterschleimhaut normal aufbaut und rechtzeitig für die Einnistung der befruchteten Eizelle bereit ist.
-Kontrolle der Gebärmutterschleimhaut durch eine Endometriumbiopsie. Bei einer Endometriumbiopsie saugt der Arzt ein kleines Stück Gebärmutterschleimhaut durch eine dünne, flexible Röhre an, die durch den Gebärmutterhals nach innen geschoben wird. Die Gewebeprobe wird anschließend zur weiteren mikroskopischen Untersuchung ins Labor gebracht.
Diese zahlreichen Untersuchungen wecken den Eindruck, dass es sich um ein ganzes Stück Arbeit handelt, das viel Anspannung und Stress mit sich bringt. Doch es ist wichtig, die fehlerhaften Elemente im komplexen Fortpflanzungssystem der Frau so sorgfältig wie möglich aufzuspüren. Soweit das möglich ist, werden die notwendigen Untersuchungen weitestgehend gebündelt.
